Das Kapitel haitianischer Wodu aufschlagen, heisst eine riesige Black Box öffnen. Und staunen, was alles herausströmt : seltsame Düfte, irrende Zombies, Besessenheits Szenen, Art Brut-Objekte, Phantastereien über Wildheit, ein wenig Liebe und Eifersucht, ein paar menschliche Schädel, grosse Hollywood-Produktionen, zwei oder drei mit Nadel durchbohrte Puppen, ein Hauch von Geheimnis, afrikanische Noten, eine Nation von Befreiten Sklaven- ganz zu schweigen von blutrüstigen Diktaturen und ein paar Staatsstreichen…
Der Wodu sperrt sich gegen Schubladisierung. Er betrifft zu viele unterschiedliche Bereiche, als dass er sich in klassische Kategorien wie « Religion » oder « Kulur » einsperren liesse. Der wodu sprengt die Rahmen, entzieht sich der Rationalität, die ihn zu er- und begreifen versucht, unf füllt den Raum mit seiner Schemenhaftigkeit und seinem schwindelerregenden Duft. Wie dieses überbordende Leben ausstellen ? Wie das Unsichtbar zeigen ? Wie darstellen, was sich der Darstellung verweigert ?
Dank der Partnerschaft mit der Fondation pour la préservation, la valorisation et la production d’œuvres culturelles haïtiennes (FPVPOCH) empfängt das MEG als Weltpremiere die bedeutendste haitianische Sammlung von Wodu-Objekten, die von Marianne Lehmann zusammengetragen wurde. Der grossartige von dieser Schweizerin gesammelte Schatz zeugt nicht nur von der unglaublichen Vitalität der haitianischen Kultur, er fordert uns auch auf, unser Verhältnis zur Welt und zu Leben zu hinterfragen.
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